Medizin-Geschichten

Die Heilpflanze des Monats Februar 2013
Kurioses, Bizarres, Interessantes

Folge 10: Kleines Schneeglöckchen (Galanthus nivalis)

Es ist kein Zufall, dass das Schneeglöckchen die „Pflanze des Monats Februar“ ist.

In einer volkstümlichen Bezeichnung trägt sie den Monat sogar im Namen: „Hübsches Februar-Mädchen“, denn dann zeigen sich die ersten zarten weißen Blüten. Außerdem ist das Schneeglöckchen eng mit dem katholischen Fest „Mariä Lichtmess“ verbunden, das am 2. Februar begangen wird. Häufig werden dann Schneeglöckchen auf den Altar gestreut, was der Pflanze weitere Namen gegeben hat: “Marienkerzen“ oder ganz direkt „Lichtmessglöckchen“. Denn die weißen Glöckchen sind ein Symbol der Hoffnung, der Hoffnung auf das Licht und den Frühling. Das ist ja auch kein Wunder. Das Schneeglöckchen ist schließlich eine der ersten Pflanzen im Jahr, die blühen. Oft ragen seine weißen Blüten schon aus dem Schnee. „Schnee-Durchstecher“ wird die Pflanze deshalb auch genannt.

Weitere Namen verdankt das Schneeglöckchen, das übrigens zur Familie der Amaryllisgewächse gehört, der Farbe seiner Blüten: „Weiße Jungfrau“ oder „Milchblume“. Letzteres ist die deutsche Übersetzung des botanischen Namens Galanthus, der sich aus den griechischen Wörtern gala = Milch und anthos = Blüte ableitet. „Nivalis“ ist ebenfalls griechisch und bedeutet „schneeweiß“.

Weshalb das Schneeglöckchen für den Monat Februar ausgewählt wurde, ist nun erklärt. Aber ist es eine Heilpflanze? Man liest immer wieder, dass das Schneeglöckchen zwar seit dem 15. Jahrhundert bei uns eine beliebte Zierpflanze, aber als Heilpflanze völlig unbekannt ist. Nun, das stimmt eben so nicht. Im Kaukasus wird das Kaukasische oder Woronow-Schneeglöckchen (G. woronowii) seit alters her in der Volkskunde verwendet. Alte Menschen essen die Zwiebeln, da sie gegen Alterserscheinungen und Gedächtnisschwäche helfen sollen. Und wirklich wurde 1953 aus den Zwiebeln ein Alkaloid isoliert, das noch heute als Antidementivum eingesetzt wird und das zu Ehren des Schneeglöckchens Galantamin (oder Galanthamin) genannt wurde. Der Wirkstoff kann laut Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) offenbar bei Patientinnen mit leichter oder mittelschwerer Alzheimer-Erkrankung die Denk- und Merkfähigkeit positiv beeinflussen. Auch aus den Zwiebeln unserer heimischen Schneeglöckchens (G. nivalis) wurde der Wirkstoff gewonnen. Heute wird Galantamin auch synthetisch hergestellt. Ergo: Das Schneeglöckchen ist bei vielleicht keine traditionelle Heilpflanze, hat aber unsere Medizin deutlich bereichert.

Quellen: Verschiedene Internetseiten, darunter
www.garten-pur.de
und www.heilkraeuter.de

 

 



Ursula Armstrong | Redaktion | Sperberweg 2 | D-82152 Krailling | Telefon: +49 (0) 163 / 313 21 10 | e-mail: mail@uschi-armstrong.de | www.redaktion-armstrong.de

Es gibt mittlerweile mehrere 100 Sorten von Schneeglöckchen. In Großbritannien gibt es eine regelrechte Schneeglöckchen-Manie. Diese 'Galanthomanie' ist entstanden, als britische Soldaten nach dem Ersten Weltkrieg von der Krim Zwiebeln des Clusius-Schneeglöckchens (Galanthus plicatus) mit nach Hause brachten.
Übrigens: Alle Teile des Schneeglöckchens sind giftig.
Foto: Armstrong

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